Ein Projekt des Hamburger Instituts für Sozialforschung in Kooperation mit dem Einstein Forum, Potsdam

Berliner Colloquien zur Zeitgeschichte

Berliner Colloquienzur Zeitgeschichte
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Wiedergelesen: Barbara Tuchman, August 1914Konzept: Bernd Greiner und Dierk Walter

6. und 7. Dezember 2013

Das »Wiederlesen« von Klassikern oder von Texten, die zu Unrecht vorzeitig in Vergessenheit geraten sind, gehört zum Programm der Berliner Colloquien zur Zeitgeschichte. Mit Blick auf den Ausbruch des Ersten Weltkrieges ging es diesmal um Barbara Tuchmans Studie August 1914, die vor knapp 50 Jahren erstmals in deutscher Übersetzung erschienen ist. Von Anfang an viel diskutiert, hat dieses Buch Generationen von Studenten beeinflusst. Diese Nachhaltigkeit spiegelt sich auch in der Entscheidung des Fischer-Verlags, im Oktober 2013 einen Nachdruck aufzulegen.

Im Mittelpunkt des Colloquiums standen Themen und Thesen, die von Barbara Tuchman erörtert wurden und seither nichts von ihrer Relevanz eingebüßt haben – wie Christopher Clarks jüngste Publikation Sleepwalkers zeigt. Von besonderem Interesse waren Kriegserwartungen und Kriegsbilder, die nicht enden wollende Debatte über Schuld und Verantwortung, die Handlungsspielräume der Verantwortlichen oder der Streit um die vermeintliche Zwangsläufigkeit des Geschehens und schließlich die schiere Dauer des Krieges: Warum nicht aufhören können? Zur Rezeptionsgeschichte Barbara Tuchmans gehörte nicht zuletzt die Frage nach dem Stellenwert und der Aussagekraft militärischer Operationsgeschichte. Diese Fragen wurden aus einer doppelten Perspektive betrachtet: unter Würdigung Barbara Tuchmans und im Spiegel seitheriger Forschungsleistungen.

Es versteht sich von selbst, dass im Verlauf einer fünfzigjährigen Forschung viele Korrekturen und Erweiterungen der Perspektiven stattgefunden haben. Die wichtigsten Etappen dieser Revision hatten selbstverständlich in jeder Sektion des Colloquiums ihren Platz. Dabei berücksichtigte die Diskussion auch, warum Umwertungen und Neuakzentuierungen vorgenommen wurden, wer sie angestoßen hatte und in welchen Kontexten sie stattgefunden haben – womit die Frage nach wissenschaftlichen Konjunkturen und der Entwicklung öffentlicher Geschichtsbilder angesprochen war.

Barbara Tuchman verstand ihr historisches Werk stets als Beitrag zur Diagnose ihrer Zeit. Von diesem Selbstverständnis ausgehend, bot das Colloquium Raum und Gelegenheit, die Erkenntnisse über den Ersten Weltkrieg mit den vielfältigen Krisen unserer Zeit in Bezug zu setzen und insbesondere das Krisenmanagement auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu untersuchen.

Tagungssprache war Deutsch. 

Gäste 

Fragenkatalog

Im Gespräch mit Bernd Greiner und Dierk Walter

Holger Afflerbach live am Einstein Forum

Bernd Greiner im Mittelweg 36

Friedrich Kiessling im Mittelweg 36